Homeoffice und Vertrauensarbeitszeit sind in der Schweiz spätestens seit der Corona-Pandemie fester Bestandteil der Arbeitswelt geworden. Für viele KMU, öffentliche Institutionen und soziale Organisationen bedeutet dies mehr Flexibilität und Eigenverantwortung – aber auch mehr Unsicherheit in Bezug auf das Arbeitsrecht. Müssen Arbeitszeiten im Homeoffice erfasst werden? Ist Vertrauensarbeitszeit überhaupt zulässig? Und welche Pflichten haben Arbeitgeber, wenn Mitarbeitende ausserhalb des Büros arbeiten? Dieser Beitrag klärt die wichtigsten Fragen und zeigt, wie Unternehmen rechtssicher vorgehen können.
Rechtliche Grundlage in der Schweiz
Das Schweizer Arbeitsgesetz (ArG) macht keinen Unterschied zwischen Arbeit im Büro und Arbeit im Homeoffice. Das bedeutet: Auch bei Remote Work gelten dieselben Bestimmungen zu Arbeitszeit, Pausen und Ruhezeiten (vgl. Art. 9 ff. ArG). Arbeitgebende bleiben verpflichtet, die Einhaltung dieser Vorschriften sicherzustellen – unabhängig davon, von welchem Ort aus gearbeitet wird.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, im Homeoffice gelte eine Art Sonderregelung. Tatsächlich bestätigt auch das SECO in seinen FAQ, dass Arbeitszeiten im Homeoffice genauso aufzuzeichnen sind wie im Betrieb.
Vertrauensarbeitszeit und ihre gesetzlichen Voraussetzungen
Vertrauensarbeitszeit bedeutet, dass Mitarbeitende ihre Arbeitszeit weitgehend selbst gestalten und die Arbeitszeiterfassung teilweise entfällt. In der Schweiz ist dies jedoch nur in engen rechtlichen Grenzen möglich.
Das Arbeitsgesetz erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen einen Verzicht auf die Zeiterfassung («Opt-out»). Ein solcher Verzicht ist nur zulässig, wenn ein Jahreseinkommen von über CHF 120’000.- erreicht wird, die betroffenen Mitarbeitenden über eine grosse zeitliche Autonomie verfügen und sowohl eine schriftliche Vereinbarung als auch eine vorherige Konsultation der Arbeitnehmervertretung vorliegen.
Für die meisten KMU, Gemeinden oder sozialen Institutionen bedeutet dies in der Praxis, dass eine vollständige Vertrauensarbeitszeit nicht umgesetzt werden kann. In diesen Bereichen besteht weiterhin die Pflicht, die geleisteten Arbeitsstunden zu erfassen.
Gesundheitsschutz und Ergonomie im Homeoffice
Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft den Gesundheitsschutz. Viele Arbeitgebende gehen davon aus, dass sie im Homeoffice weniger Verantwortung tragen. Das ist falsch: Auch im Homeoffice trägt der Arbeitgeber eine umfassende Verantwortung für den Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden. Diese Pflicht ergibt sich direkt aus dem Arbeitsgesetz (ArG Art. 6) und der Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz (ArGV 3), welche verlangen, dass Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass sie die physische und psychische Gesundheit nicht beeinträchtigen. Dies gilt unabhängig davon, ob die Arbeit im Betrieb oder zu Hause ausgeführt wird. Dazu gehören ergonomisch angemessene Arbeitsplätze, klare Vorgaben zur Arbeitszeitgestaltung, der Schutz vor Überlastung sowie die Gewährleistung ausreichender Pausen.
Studien zeigen zudem, dass Homeoffice besondere Herausforderungen mit sich bringt: Eine internationale OECD-Analyse (2021) weist darauf hin, dass bei mobiler Arbeit häufig längere tägliche Arbeitszeiten auftreten und Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen können. Weitere Forschungsergebnisse, etwa der Gesundheitsförderung Schweiz (2022), verdeutlichen, dass fehlende Struktur und unzureichend ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze zu erhöhter Belastung, Stresssymptomen und körperlichen Beschwerden führen können. Diese Erkenntnisse machen deutlich, wie wichtig klare Regelungen, ergonomische Unterstützung und eine funktionierende Zeiterfassung sind, um die Gesundheit der Mitarbeitenden auch im Homeoffice nachhaltig zu schützen.
Herausforderungen in der Praxis
Gerade Kleinunternehmen und Institutionen stehen vor der anspruchsvollen Aufgabe, eine ausgewogene Balance zwischen betrieblicher Flexibilität und rechtlicher Sicherheit zu finden. Häufig fehlen klare Prozesse und verbindliche Regelungen, was in der Praxis zu verschiedenen Problemen führen kann. Dazu gehören fehlende Transparenz bei der Erfassung und Abgeltung von Überstunden, Unsicherheiten hinsichtlich der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen sowie Schwierigkeiten bei der Überwachung und Einhaltung der erforderlichen Ruhezeiten.
Werden diese Aspekte nicht sauber geregelt, entsteht schnell ein Graubereich, der sowohl für Arbeitgeber als auch für Mitarbeitende belastend sein kann. Fehlende Strukturen erhöhen nicht nur das Risiko von Gesetzesverstössen, sondern können auch zu Missverständnissen, ungerechter Arbeitsbelastung und schwelenden Konflikten innerhalb des Teams beitragen. Eine klare Organisation und transparente Kommunikation sind daher entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und ein gesundes, rechtssicheres Arbeitsumfeld zu gewährleisten.
Best Practices für KMU und Institutionen
Erfolgreiche Organisationen setzen im Homeoffice auf eine Kombination aus klaren Rahmenbedingungen und digitaler Unterstützung. Dazu gehören:
So entsteht eine Kultur des Vertrauens, die gleichzeitig rechtliche Sicherheit bietet.
Unterstützung durch digitale Tools
Eine moderne Lösung wie inova:time ermöglicht es, Homeoffice und Vertrauensarbeitszeit rechtssicher abzubilden. Vorteile sind:
Damit können KMU, Gemeinden und soziale Organisationen die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, ohne die Flexibilität für Mitarbeitende einzuschränken.
Fazit
Homeoffice und Vertrauensarbeitszeit sind attraktive Arbeitsmodelle, die moderne Organisationen flexibler und für viele Mitarbeitende deutlich attraktiver machen. Sie ermöglichen selbstbestimmtes Arbeiten, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und können die Motivation wie auch die Produktivität steigern.
Gleichzeitig dürfen Arbeitgebende jedoch nicht übersehen, dass diese Modelle sie keinesfalls von ihren gesetzlichen Pflichten entbinden. Auch in flexiblen Arbeitsformen bleiben der Gesundheitsschutz, die Einhaltung der Arbeits- und Ruhezeiten sowie transparente und faire Prozesse zentral. Unternehmen, die klare Regeln definieren, verlässliche Abläufe schaffen und auf digitale Tools zur Unterstützung der Zeiterfassung und Arbeitsorganisation setzen, schaffen ein stabiles Fundament. Sie fördern nicht nur die Zufriedenheit und das Vertrauen ihrer Mitarbeitenden, sondern minimieren auch rechtliche Risiken und stärken die langfristige Qualität ihrer Arbeitskultur.
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